Panzerjägerbataillon 5 (1956 bis 1959)

- 1956 - 

Vorgeschichte:

Das Heer soll 12 Divisionen erhalten, in drei Kampfgruppen, ein Artillerieregiment und selbständige Bataillone gegliedert.

Am 02. August 1956 wird durch das Bundesministerium für Verteidigung im Befehl Nr. 30 (Heer) die Aufstellung der 5. Panzerdivision befohlen. Diese Division soll zunächst aus zwei, später aus drei Kampfgruppen und aus Divisionstruppen bestehen.

Auf dem Truppenübungsplatz GRAFENWÖHR wird unter der Führung von Oberst Ruge die Kampfgruppe B 5 aufgestellt. GRAFENWÖHR ist auch der Aufstellungsort für einen Großteil der Divisionstruppen der 5. Panzerdivision. Dazu gehört das Panzerjägerbataillon 5, dem folgende Aufgaben zugewiesen werden:

"Das Panzerjägerbataillon verstärkt die truppeneigene Panzerabwehr, überlagert und dichtet diese und schafft eine Tiefenzone panzerbrechender Waffen. Es gibt damit den eigenen Panzerkräften die Voraussetzung zu Gegenstoß und Gegenangriff. Die Führungsmittel und die Beweglichkeit des Panzerjägerbataillons machen es besonders geeignet, in offenen Flanken und Frontlücken in Verbindung mit anderen Waffen, den Schutz gegen feindliche Panzer zu übernehmen."

Die Personalstärke beträgt 535 Soldaten, dabei 24 Offiziere, 116 Unteroffiziere und 395 Mannschaften, gegliedert in Stab und Stabszug, drei Panzerjägerkompanien und eine Versorgungskompanie. Jede Panzerjägerkompanie soll 4 Züge zu je 5 Kampfpanzern sowie 2 weitere in der Kompanieführungsgruppe erhalten. Mit den 4 Kampfpanzern im Stabszug als Kommandeurgruppe soll das Bataillon auf eine Stärke von 70 Kampfpanzern kommen.

An dem für das Panzerjägerbataillon 5 befohlenen Aufstellungstag, dem 01.10.1956, treffen auf dem Bahnhof in GRAFENWÖHR nach und nach zwölf Männer in Zivil ein. Es sind die Unteroffiziere Gauß und Ziegler, die Obergefreiten Gössner, Langner und Ruß, der Gefreite Hesse sowie die Panzerjäger Heinrich, Schneider, Schnedder und Stauber des Vorauspersonals, sechs kriegsgediente und sechs ungediente Soldaten. Der Führer des Vorauspersonals des PzJgBtl 5 und stellvertretende Bataillonskommandeur, Major Brüning, sowie Oberleutnant Kunz treffen einen Tag später ein, und bringen das erste Dienstfahrzeug - einen VW-Käfer - mit. Einige Tage später wird der Kraftfahrzeugbestand durch Lieferung eines Motorrades erheblich vergrößert.

Der Auftrag für das Vorauspersonal lautet schlicht: "Unterbringung des PzJgBtl 5 bis zum 05.11.56 vorbereiten."

Panzerjägerbataillon 5:

Im Tagebuch des Führers Vorauspersonal, Major Brüning, heißt es am 17.11.1956: "...beträgt die Stärke laut letzter Information: 25 Offiziere, 35 Feldwebel, 20 Unteroffiziere und 45 Mannschaften = 122 Mann".

Bereits am 09.11. werden 20 Unteroffiziere und Mannschaften zu Einführungslehrgängen an die PzJgSchule nach Bremen kommandiert, und für 20 - am 05.11. eingetroffene - ungediente Freiwillige beginnt am 15.11. beim PzGrenBtl 15 die allgemeine Grundausbildung.


- 1957 -

"Von Dezember 1956 bis etwa Mai 1957", so erinnert sich der ehemalige Kommandeur des Panzerjägerbataillons 5, Oberst a. D. Beutner, "erfolgte die Zuführung von Krädern, Pkw, Lkw und Panzern vom Typ M 41 und M 48. Vorschriften gab es jedoch nur in geringer Anzahl. Ausbildungs- und Anschauungsmaterial standen nicht zur Verfügung, außer einigen Merkblättern mit allgemeinen Richtlinien für die Führung und Ausbildung der Truppe."

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Oberstleutnant Beutner Kommandeur Panzerjägerbataillon 5 und sein Stellvertreter Major Brüning


Deshalb muss das Bataillon in vielerlei Hinsicht improvisieren: Da 89 Rekruten, die sich für längere Zeit verpflichtet haben und am 16.01.1957 erwartet werden sowie weitere 330 wehrpflichtige Rekruten, die im März und April zum Bataillon kommen, ausgebildet werden müssen, Angehörige des Stammpersonals auf die Rekrutenausbildung vorbereitet werden. An dieser Ausbildung nehmen an Samstagen auch diejenigen Soldaten teil, die sich seit dem 15.11.56 in ihrer eigenen Grundausbildung beim PzGrenBtl 15 befinden und als Hilfsausbilder eingesetzt werden sollen. Diese Maßnahme ist deswegen erforderlich, weil zahlreiche Offiziere und Unteroffiziere zu Lehrgängen an die Panzerjägerschule nach Bremen kommandiert werden und daher nicht für die Ausbildung zur Verfügung stehen.

US-Vorschriften, wie die für den Panzer M 47 müssen in Kleinarbeit übersetzt werden und aus Schrottautos ausgebaute Motoren dienen als Anschauungsmaterial. In den Kompanien, die die Grundausbildung betreiben, nutzt man in Ermangelung von Vorschriften teilweise den "Reibert" der Wehrmacht oder Vorschriften des Bundesgrenzschutzes.

Befragt nach Verhalten und Dienstauffassung seiner Soldaten in dieser Anfangszeit des PzJgBtl 5, antwortet der Bataillonskommandeur: "Das Bataillon setzte sich aus freiwilligen Soldaten - auch die Wehrpflichtigen hatten sich freiwillig zur Ableistung ihres Wehrdienstes gemeldet - aus allen Gegenden Deutschlands zusammen. Neben West- und Ostdeutschen waren die Schlesier und Ostpreußen angemessen vertreten. Das enge Zusammenleben und die wenigen Möglichkeiten für Abwechslung auf dem Truppenübungsplatz GRAFENWÖHR förderten das Zusammengehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl. Disziplinar gab es trotz vieler Aushilfen und Unzulänglichkeiten keine Schwierigkeiten. Haltung und Einsatzbereitschaft der Soldaten, besonders der Dienstgrade, waren vorbildlich."

Am 27.05.1957 erfolgt nun die Verlegung des gesamten Bataillons in den neuen Standort Wetzlar. Für die 380 km lange Strecke sind drei Marschtage vorgesehen. Zu diesem Zeitpunkt verfügt das Bataillon über folgenden Kfz-Bestand.

- 10 DKW 0,25 to;
- 10 BORGWARD 0,75 to;
- 13 FORD 3 to;
- 23 MERCEDES 5 to;
- 26 Kräder
- 8 Panzer M 41;
- 8 Panzer M 47;
- 3 Bergepanzer M 74;
- 3 PKW handelsüblich.

Der Marsch geht reibungslos vonstatten und so erreicht das Bataillon am 29.05. pünktlich um 12.00 Uhr mit dem ersten Kraftfahrzeug die Spillburgkaserne in Wetzlar. Am 03./04.06. erreichen auch die Kettenteile im Eisenbahntransport den neuen Standort.

Um einen einigermaßen sinnvollen Ausbildungsdienst zu erreichen, muss das Bataillon umgegliedert werden. Stab und 4. Kompanie (Versorgungskompanie) werden voll aufgefüllt. Die Vollausbildung in den drei Kampfkompanien kann nicht durchgeführt werden, da die Kompanien nur auf einen Bruchteil ihrer Mannschaftsstärke gebracht werden können. Da auch nicht genügend Offiziere vorhanden sind, wird der Dienst in der 1. und 2. Kompanie sowie der Dienst der 3. Kompanie und des ersten im Bataillon durchgeführten Unteroffizierlehrgangs zusammengelegt. Um den großen Unteroffiziermangel abzubauen, nehmen kriegsgediente Mannschaftsdienstgrade an den Unteroffizierprüfungen teil und - verläuft die Prüfung erfolgreich - werden diese zum Unteroffizier befördert. Unter den Teilnehmern dieses ersten UffzLehrgangs sind auch die späteren 194er: Heinrich, Hölpert, Klee, Vassen, Käding.

Vom 20.08. - 07.09.57 verlegt das Bataillon zum Übungsplatz BAUMHOLDER. Es werden je Kompanie 5 Kampfpanzer M 41 und M 47 mitgenommen. Der UffzLehrgang wird mit je einem M 41 und M 47 ausgestattet, um seine eigenen Ausbildungsvorhaben durchzuführen. Neben dem Panzerschießen für die Soldaten, die die Spezialgrundausbildung abgeschlossen haben, werden von den jüngeren Soldaten Schießen im Gruppen- und Zugrahmen mit Handwaffen durchgeführt. Den Abschluss der Panzerschießausbildung bildet ein Gefechtsschießen, das mit über 50% Treffern ein gutes Ergebnis bringt.

Zu der ab 30.09. stattfindenden Herbstübung der 5. Panzerdivision sind auch Teile des PzJgBtl 5 kommandiert. Unter der Führung von Hauptmann Subkleve nehmen 158 Soldaten mit 20 Kampfpanzern innerhalb der Kampfgruppe B 5 teil.

Im Dezember 1957 erlebt das Bataillon seinen ersten Übungsplatzaufenthalt in BERGEN-HOHNE. Das Bataillon führt Gruppen-, Zug- und Kompanieübungen durch. Ein Scharfschießen mit sämtlichen Waffen, das in eine Bataillonsübung übergeht, bildet den Höhepunkt des Übungsplatzaufenthaltes.


- 1958 -

Am 07. März veranstaltet Panzerjägerbataillon 5 ein Bataillonsfest im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit in Wetzlar und lädt dazu die Bevölkerung ein. Dazu heißt es in der Wetzlarer Presse: "... Welch gutes Einvernehmen zwischen der Bevölkerung und der Bundeswehr, die vor einem Jahr in Wetzlar ihren Einzug hielt, sich in Jahresfrist hat entwickeln können, wurde jüngst im Saalbau ERHOLUNG spürbar, als das 5. Panzerjägerbataillon der Bürgerschaft einen BUNTEN ABEND gab. Der bis zur Empore und Vorraum überfüllte größte Saal Wetzlars schwang mit im jugendlichen Elan gesunder, frischer Menschen, die zu erkennen geben, dass sie in jeder Beziehung besten Willens sind. Es war die erste Veranstaltung dieser Art und ihr Widerhall war groß. Den Reinertrag widmeten die Soldaten Wetzlarer Waisenkindern."

Mitte März übt das Bataillon wieder in BERGEN-HOHNE. Da in allen Kompanien die Spezialgrundausbildung abgeschlossen ist, werden vorrangig Zuggefechtsschießen und eine Bataillonsübung durchgeführt.

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140 Rekruten, die zum 16.04. eingezogen werden, erhalten ihre Grundausbildung in der 2. Kompanie. Alle Kompanien stellen dazu Ausbilder ab.

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Mit der Abfahrt des Vorkommandos am 14.08.1958 beginnt der bisher längste Übungsplatzaufenthalt des Panzerjägerbataillons 5. Am 15.08. verladen die Kettenteile, eine Tag später folgen die Räderteile im Landmarsch zum Übungsplatz BERGEN-HOHNE. Das Bataillon wird im Lager FALLINGBOSTEL untergebracht und in der Zeit vom 18. - 29.08. finden Panzerschießen statt, die jedoch aus Munitionsmangel nicht im geplanten Umfang durchgeführt werden können. Am 30.08. werde die Quartiere im Lager FALLINGBOSTEL geräumt, das Bataillon nimmt an einer Übung im Rahmen der Kampfgruppe B 5 teil und bezieht anschließend Biwak im Raum südwestlich FAHRENHOLZ, denn vom 11. - 13.09. soll das Bataillon - verstärkt durch Panzergrenadiere und Pioniere als "Kampfgruppe PzJgBtl 5" - an der Herbstübung der 5. Panzerdivision teilnehmen.

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Vom 10.09. - 27.09.1958 erprobt das Heer in der Lehr- und Versuchsübung (LV 58) eine neue Heeresstruktur. Bisher hatten amerikanische Ausrüstung und Organisationsformen der US-Army die Struktur des Heeres geprägt. Die Division galt nach den Grundsätzen der Taktik als Trägerin des Gefechts der verbundenen Waffen. Doch der Führungsstab des deutschen Heeres hatte schon mit den Jahren 56/57 erkannt, dass diese Organisationsform nicht den operativen Anforderungen der sich ändernden Strategie gerecht wurde. Die viel zu schwerfällige Division (bis zu 28.000 Mann), sollte - so hatten das Bundesministerium für Verteidigung am 20.06.1958 angekündigt - aus den Kampfgruppen in ein Brigadesystem umgegliedert werden. Im Rahmen der Erprobung nimmt Panzerjägerbataillon 5 deshalb vom 11. - 13.09. mit 57 Panzern an der LV 58 teil.

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Während der Lehr- und Versuchsübung bewährt sich die Brigadegliederung, die einen Kompromiss zwischen Kampfgruppe und Regiment darstellt und zum Grundelement der taktischen Führung werden soll. Es wird deutlich, dass die mit der Einführung sowjetischer taktischer Atomwaffen verbundene neue Qualität der Bedrohung die Umgliederung in kleine, schnell bewegliche Verbände fordert, die zu einer selbständigen Gefechtsführung und Versorgung über mehrere Tage hin in der Lage sind.

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Unmittelbar nach der Übung werden die Panzer verladen. Alle im Landmarsch fahrenden Teile beziehen Privatquartiere in Rodewald. Dort findet am Abend unter großer Beteiligung der Zivilbevölkerung ein Manöverball statt. Die Aufnahme durch die Quartiersleute ist ausgesprochen herzlich.

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Panzerjägerbataillon 5 erreicht ohne Unfall und Ausfall wieder den Heimatstndort Wetzlar.


Im Dezember treffen die ersten Befehle zur Auflösung des Panzerjägerbataillons 5 ein. Eine Konsequenz aus der Umsetzung der Erkenntnisse aus der Lehr- und Versuchsübung (LV 58).


- 1959 -

Ende Januar erkundenden Offiziere des Bataillons die neuen Standorte. Für die Teile des Bataillons, die das neue Panzerbataillon 194 in Handorf bei Münster aufstellen sollen, erkunden Hauptmann Subkleve und Oberleutnant Scharkowski. Die 3. Kompanie soll in die PzJgKp 130 umgegliedert werden (PzGrenBrig 13) und in Wetzlar verbleiben.

Am 14.03.1959 - zur Befehlsausgabe ihrer Kompanien - erfahren die Jäger, daß sie ab sofort Soldaten des Panzerbataillons 194 sind.

Am gleichen Tag verabschiedet Generalmajor von Behr, Kommandeur der 5. Panzerdivision, im Rahmen eines feierlichen Appells und in Gegenwart aller Kommandeure der Truppenteile der Division und der Spitzen der Behörden von Wetzlar das Panzerjägerbataillon 5 aus dem Verband der 5. Panzerdivision. Bei dieser Gelegenheit führt OTL Beutner, durch den Divisionskommandeur bei dem Appell verabschiedet, anschließend zum letzten Mal das nun aufgelöste Panzerjägerbataillon 5 beim Vorbeimarsch an.

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Stellenbesetzung Panzerjägerbataillon 5

Kommandeur: 01.10.1956 - 31.03.1959 OTL Beutner

Stellv. Kommandeur:
  01.10.1956 - 30.09.1958 Maj Brüning
                                  01.10.1958 - 31.03.1959 Maj Tiedemann

Kompaniechefs:

1. Kompanie 02.11.1956 - 31.03.1959 Hptm Jahnke

2. Kompanie 02.11.1956 - 31.03.1957 OLt Gentz
                    01.04.1957 - 22.09.1958 Hptm Subkleve
                    23.09.1958 - 31.03.1959 Hptm Kleinwächter

3. Kompanie 02.11.1956 - 31.12.1957 Hptm Konrad
                    01.01.1958 - 31.03.1959 Hptm Alm

4. Kompanie 01.10.1956 - 22.09.1958 Maj Tiedemann
                    23.09.1958 - 31.03.1959 Hptm Subkleve

Führer Stabszug: 01.10.1956 - 12.02.1958 Hptm Kleinwächter
                           11.02.1958 - 31.03.1959 OLt Rausch


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