Panzerbataillon 194 ( 1974 bis 1976)

1974

Oberstleutnant Graf von Kielmansegg, der Kommandeur des Panzerbataillons 194 sagt über die Probleme, mit denen die Truppe in dieser Zeit fertig werden muss: "Die kontinuierliche und selbstverantwortliche Ausbildung des Bataillons leidet in diesen Jahren generell an zuviel Vorhaben, die dem Bataillon von vorgesetzten Dienststellen befohlen werden, an einem Mangel von Auftragstaktik auf allen Ebenen und einem Übermaß an Bürokratisierung, vor allem in der Material- und Personalverwaltung und Erhaltung. Zusätzliche Probleme sind außerdem

- Personalmangel an Zeitsoldaten und Unteroffizieren (Nachwuchsschwierigkeiten)

- die zu kurze Ausbildung der jungen Unteroffiziere (Beförderung nach nur 1 Jahr Dienstzeit)

- ein für ein Panzerbataillon zu kleiner Standortübungsplatz und vor allem die quartalsweise Rekrutenauffüllung in den Kompanien (Verwürfelung), die u.a.

- Homogenität und Aufkommen von Heimatgefühl in den Kompanien

- gemeinsame Ausbildung der Panzerbesatzungen

- besseres Verhältnis zum Gerät und damit bessere Behandlung und gleichmäßigen Ausbildungsstand weitgehend verhindert.

Dennoch geht das Bataillon mit Schwung an die Ausbildungsvorhaben des Jahres. Der gute Wille der Offiziere und Unteroffiziere, immer wieder das Bestmögliche zu leisten, geht trotz aller Probleme nicht verloren."

So nimmt das Bataillon im Januar mit der 1., 2. und 4. Kompanie an der Brigadeübung 'NADELÖHR', einer Flussübergangsübung teil. Starker Nebel erschwert die Durchführung. Bei SCHWERINGEN setzen alle Räder-Fahrzeuge über die Weser. Die Panzer werden ausgenommen, da die Pauschalierung der Kettenkilometer (die Panzer dürfen aus Ersparnisgründen nur noch 1.000 km im Jahr bewegt werden) diese Entscheidung erzwingt.

Im Anschluss an die Übung verlegen die Kompanien nach BERGEN-HOHNE zum Scharfschießen. Wieder einmal zeigt sich, dass für den Zusammenhalt und für den Geist in den Kompanien diese gemeinsam erlebten Truppenübungsplatzaufenthalte von größtem Wert sind. Die zum Abschluss durchgeführte Besichtigung der 4. Kompanie und die Gefechtsübung 'SPITZER SCHNABEL' beweisen es.

Am 14. Februar führte das Offizierkorps eine Besichtigung des Betriebs der 'Westfälischen Nachrichten' durch.

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Am 28. März ist wieder großer Sport angesagt. Das Hallenhandballturnier der Lützow-Kaserne findet mit folgenden Mannschaften statt:
- TV Friesen
- Preußen Münster
- TuS Warendorf
- PzGrenBtl 193
- PzArtBtl 195
- PzBtl 194

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Im April 1974 feiert die NATO ihr fünfundzwanzigstes Bestehen. Mit einem Appell, an dem neben allen Bataillonen der Kaserne auch Abordnungen der in Münster stationierten Amerikaner, Engländer und Niederländer teilnehmen, wird das Jubiläum des atlantischen Verteidigungsbündnisses in der Lützow-Kaserne begangen.

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Die 25-Jahrfeier ist auch der Anlass zu einem Besuch des Offizierkorps im März beim NATO-Hauptquartier SHAPE in Chateau in Belgien. Nach der Besichtigung des Hauptquartiers - hier treffen die älteren Offiziere einen alten Bekannten: General Schulze, der Befehlshaber der Alliierten Streitkräfte Europa-Mitte, ehemals Brigadekommandeur der Panzergrenadierbrigade 19 - besuchen die Offiziere das Schlachtfeld von Waterloo.

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Die Bataillonsfußballmannschaft erringt im März 1974 in einem deutlich überlegen geführten Endspiel um die Brigademeisterschaft den Sieg. Mit 4 : 0 Toren schlägt sie das PzArtBtl 195. OFw Ihrens, der Mannschaftsführer, erhält vom Brigadekommandeur, Brigadegeneral Schuwirth, den Siegerpreis.

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Am 10. Juli wird im Rahmen der Patenschaft mit der Stadt Telgte, an allen Fahrzeugen des Bataillons das Stadtwappen, die 'Telge' angebracht. Auf dem Rathausplatz wird der Chefpanzer der 4. Kompanie, symbolisch für alle anderen, mit dem neuen Zeichen ausgestattet. Damit führt erstmalig im norddeutschen Raum ein Verband das Wappen seiner Patenstadt und "wirbt jetzt überall, wo er erscheint, für Telgte", so Bürgermeister Bruens beim 'Taufakt' auf dem Marktplatz. Dieser besondere Ausdruck des freundschaftlichen Verhältnisses findet nicht nur beim Rat und bei der Verwaltung, sondern bei der gesamten Bevölkerung der Ems-Stadt Anerkennung.

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In den folgenden Monaten gibt es verschiedentlich Kritik an dem Entschluss, außer taktischen Zeichen ein zusätzliches Symbol oder Wappen an Gefechtsfahrzeugen zu führen - die Kritik stammt aus den Reihen der Bundeswehr, das Truppenamt hatte in einem Befehl derartige Zeichen verboten - doch der Kommandeur, OTL von Kielmansegg, setzt sich durch: Bis 1977, bis zur Einführung unseres neuen Bataillonswappens, in das die Telge aufgenommen wurde, begleitet die stilisierte Eiche die Panzermänner überall hin.

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Im September 1974 erlebt das Bataillon wiederum eine ganze Reihe von Veranstaltungen in Telgte. Am 06.09. findet unter Teilnahme von Schwimmern der Telgter DLRG und zivilen Schwimmvereinen das Bataillonsschwimmfest statt. Den von der Stadt Telgte gestifteten Pokal kann in diesem Jahr die 1. Kompanie entgegennehmen.

Am darauffolgenden Tag ist die 3. Kompanie erfolgreich beim Kampf um die Bataillons-Leichtathletik-Meisterschaften, die im Jugendstadion am Klatenberg ausgetragen werden.

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Am gleichen Tag, dem 07.09.74, beginnt in Telgte der traditionelle 'Mariä-Geburtsmarkt'. Vor allem durch seinen Pferdemarkt im Münsterland bekannt geworden, hat er aber auch Kirmescharakter und stellt das Volksfest des Jahres dar, bei dem jährlich bis zu 50.000 Besucher auf ihre Kosten kommen. Das Panzerbataillon 194 beteiligt sich in diesem Jahr mit einer großen Geräte- und Waffenschau und bewirtet Besucher reichlich mit Erbsensuppe und kühlem Bier. Nachts werden die zur Waffenschau aufgefahrenen Kampfpanzer und Fahrzeuge durch Soldaten der 2. Kompanie bewacht, die wiederum - da im inneren Ring des Festplatzes aufgestellt - von der Wach- und Schließgesellschaft, die Wachhunde eingesetzt hat, bewacht werden. Hauptmann Fuchs, Chef der 2. Kompanie, kontrolliert in der Dunkelheit seine Wache und weiß seitdem, dass Hunde nicht auf 'Parolen' hören. Hund und Hauptmann werden leicht lädiert. Am nächsten Tag jedenfalls trägt der Hauptmann eine nagelneue Arbeitsanzugsjacke sowie einen knitterfreien, neuglänzenden Feldparka.

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Am Nachmittag des ersten Kirmestages kämpft - zum Gaudi der Zuschauer - eine kombinierte Offizier/Feldwebel-Fußballmannschaft bei strömendem Regen gegen Amtsverwaltung und Lehrerschaft von Telgte. Übrigens nicht sehr ruhmreich ...!

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Den Höhepunkt aller Veranstaltungen stellt jedoch das 'Feierliche Gelöbnis' dar, das am 06. September auf den Emswiesen von den Rekruten der Panzergrenadierbrigade 19 abgelegt wird.

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Aber was wäre ein September ohne Übung? Zwischen dem 09. und dem 20.09. finden die Rahmen- und Volltruppenübungen 'HARTE NUSS' der 7. Panzergrenadierdivision statt. Die Übungen werden geleitet von Generalmajor Dr. v. Senger und Etterlin, dem späteren Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Europa-Mitte. Erstmalig wird während dieser Übung der Übergang über Gewässer durch Tiefwaten und Unterwasserfahren geübt.

Am 21. Oktober besteigen nun auch Teile der 1. Kompanie und die 2. und 3. Kompanie die Flugzeuge (Transall). Aber nicht nach Kanada - im Juli das Ziel der 4. Kompanie - sondern nach CASTLEMARTIN, Wales geht der Flug. Hier erhalten die 194er wenige Tage später Besuch des Divisionskommandeurs, der sich zwei Tage lang intensiv in das Schießprogramm einweisen lässt. Mit General v. Senger und Etterlin fliegt auch OTL v. Kielmansegg zurück, der sich auf seine bevorstehende Versetzung und auf die Bataillonsübergabe vorbereitet.

Während der Übungsplatzaufenthalt für alle recht zufriedenstellend ausfällt - die Führung kann mit den erreichten Schießergebnissen, die Soldaten mit einem großzügigen Betreuungsangebot von Tagesfahrten in Wales bis zu 3-Tage-Fahrten nach London - zufrieden sein, verläuft der Rückflug alles andere als glatt. Am 06.10. soll der Rückflug vom Flugplatz Brawdy angetreten werden. Doch dichter Nebel und unaufhörlicher Regen verhindern den Start der Transportmaschinen schon auf dem Festland. Nach stundenlangem Warten geht es am Abend zurück ins Merrion-Camp. Am nächsten Morgen werden erneut die Busse bestiegen. Auf dem Militärflughafen Lyneham in der Nähe von London sollen die Flugbedingungen besser sein. Acht Stunden dauert die Busfahrt. Aber auch hier stundenlange Wartezeiten. Endlich erscheinen die Flugzeuge. Aber inzwischen ist die Dunkelheit hereingebrochen. Die Flugbedingungen sind daher zusätzlich - das Wetter ist ja nach wie vor katastrophal - erschwert worden. Die eingeteilten 'Flugzeugältesten' erleben, wie die Piloten der Maschinen unterschiedlicher Meinung über das Flugrisiko sind - einige wollen den Flug wagen, andere weigern sich strikt. Nach langem Hin und Her - immer wieder werden die neuesten Wettermeldungen ausgewertet - ergibt sich scheinbar eine kurzfristige Wetterbesserung. Knapp zwei Stunden werden für den Rückflug benötigt. Jetzt geht alles sehr schnell. Die fünf bereitgestellten Maschinen werden im Laufschritt bestiegen, in Abständen von wenigen Minuten heben die ersten vier Transall ab, doch dann heißt es plötzlich vom Tower: 'Startverbot'. Leutnant Nordhorn und ein Teil der Soldaten der 2. Kompanie müssen zurückbleiben. Sie werden aber durch die Flugplatzkommandantur hervorragend untergebracht und am darauffolgenden Tag, am 08. Oktober - es ist der dritte Versuch - erreichen sie mit zwei Tagen Verspätung den Standort, zu spät jedoch, um den Kommandowechsel im Bataillon mitzuerleben.

In den frühen Morgenstunden des 08.10. erreichen die Insassen der schon erwähnten vier Flugzeuge die Lützow-Kaserne. Nach einem wilden Flug - selbst die Hartgesottensten blieben währen des Fluges angeschnallt - war man gegen Mitternacht in Diepholz etwas blässlich und mit weichen Knien gelandet.

Zwei, drei Stunden kann das Bataillon ruhen, dann heißt es: 'Fertigmachen zum Bataillonsappell' und wenig später - die 2. Kompanie übte um 07.00 Uhr noch schnell den Vorbeimarsch - 'Fertigmachen zum Antreten'.

Am 08. Oktober 1974 gibt Oberstleutnant Graf Kielmansegg nach knapp zweijähriger Kommandeurzeit das Kommando über das Bataillon ab. der Brigadekommandeur, Brigadegeneral Scheuermann, überträgt das Kommando an Oberstleutnant Holl.

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Nach dem formellen Kommandowechsel und dem Vorbeimarsch aller Soldaten des Bataillons am Brigadekommandeur, am alten und neuen Bataillonskommandeur, sowie an Telgtes Bürgermeister Bruens, trafen sich die Gäste im Offizierheim. Hier wurde nochmals deutlich, welch großer Wertschätzung sich Graf von Kielmansegg erfreute. Die Telgter Delegation überreichte zur Erinnerung einen Wappenteller und bat Oberstleutnant Holl 'um gute Freundschaft und solide Partnerschaft'. Der Traditionsverband der 6. Panzerdivision hatte eine Patenschaftsurkunde für das Bataillon im Gepäck; lang war die Reihe der Freunde, die gekommen waren, um Lebewohl zu sagen.

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Zwei Tage nach der Rückkehr aus England, 48 Stunden nach der Bataillonsübergabe verlegt das Panzerbataillon 194 unter seinem neuen Kommandeur, OTL Holl, nach BERGEN-HOHNE. Während dieses Schießplatzaufenthaltes befiehlt die Division einen Schießwettbewerb für Einzelpanzer im Rahmen der Division. Eine Besatzung der 2./194 gewinnt den begehrten Preis. In nur 36 Sekunden gelingt es dem Team, zwei unvermittelt auftauchende, unterschiedliche Ziele mit nur zwei Schuss zu treffen.

bild1230026616Veränderungen im Offizierkorps 1974

Aus dem Bataillon werden versetzt:
01.04.  OTL von Dellingshausen zu KpfTrS II

29.05.  Hptm Gauchel zu FüAkBw

01.08.  OTL Scharlipp zu Heeresamt

01.10.  Maj Müller, H. zu 7. PzGrenDiv
           Hptm Grigul beurlaubt
           OTL von Kielmanseg zu BMVg
           OLt Hilbig zu PzBtl 214


Zum Bataillon werden versetzt:
01.04.  Maj Naggert Stellv. Kommandeur

01.08.  Maj Stolzmann TStOffz

01.10.  Hptm Guilleaume S4Offz
           OTL Holl Kommandeur
           Hptm Thöne zbv
           SA Dr. Bornemann SanOffzArzt


Veränderungen im Bataillon:
01.04.  Lt Krieter wird ZgFhrOffz 3. Kp

29.05.  Hptm Beck wird KpChef 3. Kp
           OLt Weßling wird FmOffz


Entlassungen:
01.10.  SA Dr. Brüggemann


Weitere Veränderungen im Bataillon:
01.04.  HptFw Stachelbeck wird KpFw 3. Kp


Zu Berufssoldaten ernannt:
OFw Ihrens


1975

Das Jahr 1975 ist durch drei besondere Vorhaben geprägt: Im Mai nimmt das gesamte Bataillon am Übungsplatzaufenthalt inn Shilo/Kanada teil, im Juni findet in der Lützow-Kaserne ein 'Tag der offenen Tür' statt und im November kommt es zur Patenschaftsübernahme mit dem 4th Royal Tank Regiment. Doch der normale Alltag in einem Panzerbataillon füllt die verbleibende Zeit aus.

Bedingt durch die kommunale Neuordnung ab dem 01. Januar 1975 wechselt die Lützow-Kaserne von Telgte hin zur Stadt Münster mit derem neuen Stadtteil Münster-Handorf. Für die Patenschaft der Stadt Telgte über das Panzerbataillon 194 hat das aber keinerlei Auswirkungen. Die 194er bleiben auch weiterhin mit ihrer Patenstadt eng verbunden.

Im März verlegt das Bataillon wieder einmal auf den Truppenübungsplatz BERGEN-HOHNE zu Schieß- und Übungsvorhaben. Am Ende des Aufenthaltes folgende Ergebnisse: Schießergebnisse der Panzerkompanien 'Gut'; Tarnwettbewerb, ausgeschrieben von der 7. Panzergrenadierdivision für die Versorgungsstaffeln der Verbände und selbständigen Einheiten, durch die 1. /194 unter Hauptmann Jung, gewonnen.

Im April besucht der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Alexander M. Haig, später Außenminister der USA, die Truppen im Münsterland. Die Panzergrenadierbrigade 19 und die 4. Guards Armoured Brigade (Münster) stellen sich dem Gast auf dem Truppenübungsplatz DORBAUM in einer integrierten Waffenschau vor. Hauptmann Jung stellt dem General das Gerät des Panzerbataillons 194 und der Panzerpionierkompanie 190 vor. Er erzeugt bei General Haig so großes Interese für den Kampfpanzer Leopard, daß der General in den Kampfwagen klettert. Kommentar des hohen Gastes nach Rundumblick: "Das ist aber verdammt eng hier!"

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Nachdem die 4. Kompanie im Jahr zuvor das Terrain in SHILO/CANADA schon erkundet hat, fliegt am 09. Mai das gesamte Panzerbataillon 194 über den großen Teich. Höhepunkt des Übungsplatzaufenthaltes ist ein Schießen verbundener Waffen mit Gefechtsmunition zusammen mit den Artilleristen vom Panzerartilleriebataillon 177. "Der Truppenübungsplatz SHILO bietet hervorragende Möglichkeiten gerade das in der Bundesrepublik etwas vernachlässigte Ausbildungsgebiet 'Feuer und Bewegung' in idealer Weise intensiv zu üben. Die nach einer dreiwöchigen Ausbildungsperiode feststellbare Verbesserung der Ausbildung tritt deutlich sichtbar sowohl beim Faktor 'Feuer' (Trefferergebnisse) als auch beim Faktor 'Bewegung' (Geländeausnutzung, Überwachung) hervor.", heißt es in einem Erfahrungsbericht.

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Nach Rückkehr aus SHILO, im Juni 1975, übernimmt das Panzerbataillon 194 im Rahmen eines feierlichen Gelöbnisses die eine Nachbildung der Standarte des Traditionsregiments - des Kürassierregiments v. Driesen (Westf.) Nr. 4 . Nach dem Feierlichen Gelöbnis am 07. Juni auf den Emswiesen sagte der Kommandeur, Oberstleutnant Holl, zur Einführung der Übergabe: "Das Panzerbataillon 194 ist seit mehreren Jahren der Traditionsverband des Kürassierregiments v. Driesen (Westf.) Nr. 4. nach dem Willen der Offiziere dieses ruhmreichen Regimentes, dessen Entstehung bis in das Jahr 1717 zurückreicht, soll heute eine originalgetreue Nachbildung der alten Standarte an das Panzerbataillon 194 übergeben werden. Die Übergabe wird im Namen der Offiziervereinigung des Regiments durch Herrn General a.D. Rabe von Pappenheim vollzogen."

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Nach vollzogener Übergabe, zu der Soldaten des Bataillons in Original-Kürassieruniformen angetreten sind, bedankt sich OTL Holl mit folgenden Worten: "Herr General, ich melde Ihnen die Übernahme der Standarte und danke im Namen aller Soldaten des Panzerbataillons. Das Bataillon ist stolz darauf, diese Standarte zukünftig als sichtbares Zeichen der Verbindung zur Vergangenheit führen und bewahren zu dürfen.

Wenn sich auch die Bedeutung der Fahne für die Truppe und den einzelnen Soldaten gewandelt hat, so sehen wir dennoch in diesem Feldzeichen ein Symbol, das uns die dankende Erinnerung an soldatische Leistungen früherer Generationen wachhält.

Die Mehrheit der Soldaten des Panzerbataillons 194 stammt aus Westfalen, und die Geschichte des Regiments von Driesen mit seiner schönen Garnisonsstadt Münster ist somit auch Bestandteil der Geschichte der engeren Heimat dieser jungen Bundeswehrsoldaten, und wer sich intensiv mit dieser Vergangenheit beschäftigt, wird manches finden, das zu bewahren sich lohnt, auch und gerade für einen vom Sachzwang der Technik beherrschten Verband."

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StUffz Jungnitsch                                                                                                StUffz Kaatz
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Die Standarte fand bis zur Auflösung des Panzerbataillons 194 zusammen mit der Truppenfahne des Bataillons und der Standarte des Panzerregiments 11 ihren Platz im Dienstzimmer des Kommandeurs und wurde bei feierlichen Anlässen mitgeführt. Jetzt werden die Standarten im Traditionsraum des Panzerbataillons 194 durch den Kameraden- und Freundeskreis aufbewahrt. Die Truppenfahne hat ihren Platz an würdiger Stelle im Stabsgebäude des Traditionsträgers bei der Lehrgruppe B der Unteroffizierschule des Heeres in der Lützow-Kaserne gefunden.

An diesem gleichen Tag, dem 07. Juni 1975 findet in der Lützow-Kaserne nach mehr als 14 Jahren wieder einmal ein 'Tag der offenen Tür' statt. Die 'Westfälischen Nachrichten berichten darüber:

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Vom 12. bis zum 19. September findet die Divisionsübung 'SCHARFES SCHWERT' statt. Während einer Gefechtsübung überquert erstmalig eine Kompanie des Bataillons, die 2./-, die Aller im Unterwasserfahren. Die Organisation an der Durchfahrtstelle - nicht durch das Bataillon gestellt - ruft die Panzer sehr spät aus der letzten Deckung ab. In einem wahrhaftigen Höllentempo fahren die zur Unterwasserfahrt präparierten Kampfpanzer an den Fluss heran, doch dann verläuft der eigentliche Übergang problemlos.

Im September/Oktober stehen wieder einmal die traditionellen Sportveranstaltungen an. Nachdem in den Sommermonaten kräftiger denn je trainiert wurde - der neue Kommandeur leibt den Sport geradezu - kann sich in der Leichtathletikmeisterschaft die 3. Kompanie, in der Schwimmmeisterschaft die 2. Kompanie durchsetzen. Bei beiden Veranstaltungen sind Sportler der Sportschule Warendorf und Mitglieder Telgter Vereine beteiligt. Die wenige Tage später durchgeführte Herbstlaufmeisterschaft geht an die 2. Kompanie. Zum erste Male laufen aber nicht nur die Mannschaften für ihre Kompanien - nein, jedermann des Bataillons muss an den Start und lernt auf der 3.000 m langen Strecke die Klatenberge kennen.

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25 Teams beteiligen sich am 18. Oktober an der Hubertusfahrt 1975: Der von der 1. Kompanie gut organisierten Fahrt folgt am Abend ein ebenso gelungener Ball. Die letzten Gäste verlassen morgens um halb sieben den Ort des Geschehens. Im Laufe des Abends treten die 'Pipes and Drums', Dudelsackpfeifer und Trommler, auf und begeistern durch ihre eigenwillige, traditionelle Musik. Die Pipes and Drums gehören dem 4th Royal Tank Regiment an, mit dem das Bataillon schon vor Monaten Kontakt aufgenommen hatte, mit dem Ziel, die Patenschaft über dieses Panzerregiment zu übernehmen. Um sich auf die Übernahme der Patenschaft vorzubereiten und um sich gegenseitig kennen zulernen wird im Oktober zum ersten Vergleichswettkampf zwischen den Verbänden angepfiffen: Die Fußballnation Großbritannien geht nach dem Schlusspfiff mit 0 : 7 Toren geschlagen in die Kabinen. Beim anschließenden Beisammensein verträgt man sich - trotz aller Sprachschwierigkeiten - prächtig und spült den Kummer erfolgreich herunter.

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Am 06. November 1975 ist es dann soweit: Mit feierlichem Zeremoniell übernimmt das Panzerbataillon 194 die Patenschaft über das 4th Royal Regiment, beurkundet vom Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Hildebrandt. Mit den im Karree angetretenen Verbände, den Fahnenabordnungen und den Ehrenformationen tauschen die Kommandeure, OTL Holl und Colonel D. Sands die Patenschaftsurkunde aus. Über das Ereignis berichtet die Presse anschließend ausführlich:

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In den folgenden Jahren erwachsen aus dieser Patenschaft durch dienstliche und private Kontakte Verständnis für einander und Freundschaften untereinander. Im Oktober 1981 wird bekannt, dass das 4th RTR im April 1982 nach England verlegt werden wird. Das ist bedauerlich, andererseits für die englischen Freunde wünschenswert, nach jahrelanger Dienstzeit in verschiedensten Ländern der Welt nun wieder Dienst in der Heimat tun zu können.

Zum Ende des Jahres nimmt das Bataillon ab 20. November an der Gefechtsübung 'BUNTER SPECHT' im Leitungs- und Schiedsrichterdienst teil und verlegt im Anschluß daran bis zum 03. Dezember auf den Truppenübungsplatz nach BERGEN-HOHNE.


Veränderungen im Offizierkorps 1975

Aus dem Bataillon werden versetzt:
01.04.  OLt Wendt zu PzBtl 203

01.10.  Lt Becker zu PzBtl 154


Zum Bataillon werden versetzt:
01.10.  Lt Pollfuß ZgFhrOffz 2. Kp
           OLt Rüther ZgFhrOffz 2. Kp

13.10.  SA Jansen SanOffzArzt
 

Veränderungen im Bataillon:
01.04. OLt Krieter wird S2Offz

01.11.  OLt Nordhorn wird S2Offz
           OLt Krieter wird ZgFhrOffz 3. Kp

05.12.  OLt Weßling wird KpChef 4. Kp


Wiedereinstellungen:
01.03.  Lt Schöpe


Entlassungen:
31.12.  SA Dr. Bornemann


Weitere Veränderungen im Bataillon:
01.01.  HptFw Matthias wird KpFw 2. Kp

01.04.  HptFw Groß wird KpFw 1. Kp
           HptFw Zacher tritt in den Ruhestand
           Fhr Meyer wird zum Lt befördert


1976

Im Februar verlässt das Bataillon seine festen Unterkünfte in Münster, um am Platzrand des Übungsplatzes BERGEN-HOHNE ein Biwak in und um GUDENHAUSEN zu bezeihen. Weit aufgelockert und gut getarnt stehen Zelte und Fahrzeuge in den Wäldern und verlassenen Gehöften. Die Division führt erneut einen Tarnwettbewerb durch. Höhepunkt des Truppenübungsplatzaufenthaltes ist die Bataillonsübung 'IRIS'.

Neben dem Schießprogramm nutzen alle Kompanien die Tiefwatanlage Eitze zur Unterwasserausbildung, denn im September, so ist es beabsichtigt, soll das Bataillon im Rahmen der Korpsgefechtsübung 'GROSSER BÄR' ins Wasser gehen.

Da die Bedingungen im Standort für diese Ausbildung mangels einer eigenen Tiefwatanlage ungünstig sind, erwirkt das Bataillon eine Sondergenehmigung, um in der Ems Dichtigkeitsproben der Kampfpanzer durchzuführen. Parallel dazu werden im Frühjahr 1976 die Panzerbesatzungen drillmäßig im Herstellen der Unterwasserfahrfähigkeit ausgebildet. Für die Unteroffiziere findet auf dem Übungsplatz DORBAUM eine Lehrvorführung als 'Trockenübung' statt, bei der die notwendige Organisation bei einem Gewässerübergang vorgeführt und eingespielt wird. Diese praktischen Übungen werden ergänzt durch Sandkastenübungen im Rahmen der Offizier- und Unteroffizierweiterbildung. Die allgemeinen taktischen Grundsätze werden durch die Brigadestabsrahmenübung 'BRAUNER BÄR' im März und die Divisionsrahmenübung 'SCHNELLER ZUG' im Mai gefestigt.

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Im Juli fliegt das Bataillon zum vierten Male zum Scharfschießen nach Wales auf den Schießplatz CASTLEMARTIN.

In diesen Tagen wird die Personalabteilung durch eine - wie sich später herausstellt - durch Hauptfeldwebel Klee fingierte Versetzungsverfügung verwirrt. Es soll dem Bataillon zuversetzt werden der Panzerschütze 'Kunibert von Pröbsting zu Lützow' zum Erwerb der ATN des Richt- und Ladeschützen. Telefongespräche mit der Brigade und der Division bringen keine Klärung. Dann löst sich mit dem Erscheinen des Herrn Panzerschützen das Rätsel: Es reist in einer Holzkiste aus Handorf aus dem Wildschweingehege der Gastwirtschaft Pröbsting an: der braungestreifte Frischling Kunibert II., der nun die Tradition seines 1962 'entführten' Vorgängers als Maskottchen der 1. Kompanie fortsetzt. Nach Erledigung einiger Formalitäten wie:

- Genehmigung der Tierhaltung in der Kaserne durch den Kasernenkommandanten

- Schutzimpfung gegen allerlei Krankheiten und Abschluss einer Haftpflichtversicherung

wird er im Rahmen einer kleinen Feier in das Unteroffizierkorps der 1. Kompanie durch Major Jung - seinen Entdecker - unter Gequieke und Gestrampel mit Sekt getauft.

Von den Soldaten (nicht nur der 1. Kompanie) liebevoll umhegt, hat er sich später zu einem kapitalen, dreizentnerschweren Keiler entwickelt.

Im September 1976 findet dann die Korpsgefechtübung 'GROSSER BÄR' statt. Die Übung beginnt vor den Toren der Kaserne und führt das Bataillon in den norddeutschen Raum. Bis zu 120 Kilometer lang sind die Märsche, die die Kompanien zu bewältigen haben. Auf dem Übungsplatz BERGEN endet die Übung. Während des Zeitraumes der Übung begleitet ein Team der Erprobungsstelle 41 aus Trier mit zwei Messpanzern (Leopard 1 und Leopard 2) das Bataillon.

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Vor der Übung werden in eine Reihe von Panzern Messgeräte eingebaut, die Aufschluss über Belastungen von Motor und Elektronik während verschiedener Gefechtsarten aufzeigen sollen. Ergebnisse dieser Auswertung gehen später in die Entwicklung des Kampfpanzers Leopard 2 ein.

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Am 09. Oktober findet dann die traditionelle Hubertusfahrt statt. 16 Mannschaften beteiligen sich an der Jagd auf 'Kunibert'. Die Presse berichtet später darüber:

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Während am Abend im Offizierheim der Hubertusball gefeiert wird, übernimmt der stellvertretende Bataillonskommandeur, Obersteleutnant Naggert, in Paderborn während einer Feierstunde im Rahmen eines Regimentstreffens ehemaliger Angehöriger des Panzerregiments 11 die Nachbildung der Standarte des Regiments. Die freundschaftlichen Bindungen zu den ehemaligen Soldaten des Panzerregiments 11 werden durch diese äußere Symbol weiter gefestigt. Das findet seinen Ausdruck auch darin, dass an vielen offiziellen Veranstaltungen des Panzerbataillons 194 - wie beispielsweise am Jahresabschlussappell 1976 - auch eine Abordnung der ehemaligen Soldaten des PzRgt 11 teilnimmt.

Der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Holl, führt dazu in seiner Rede folgendes aus: "Dieses Bataillon pflegt, wie Sie wissen, seit Jahren die Verbindung zu ehemaligen Soldaten alter westfälischer Truppenteile. Hierzu gehören das Kürassierregiment von Driesen und das Panzerregiment 11, das im Verband der 6. Panzerdivision am 2. Weltkrieg teilnahm. Seit dem Oktober dieses Jahres besitzt das Bataillon auch eine Nachbildung der Standarte des Panzerregiments 11, wir sind unseren Gästen für die Übergabe dankbar.

Die Standarte hilft uns, die Erinnerung wachzuhalten an Personen und Verbände, deren Taten oder soldatische Leistung traditionswürdig ist. Tradition ist die Überlieferung des gültigen Erbes der Vergangenheit und ein Teil unseres Geschichtsbewusstseins. Es ist das Recht und vielleicht sogar die Pflicht dieser jungen Generation kritisch zu sein; es wäre aber falsch und feige zugleich, aus Furcht vor Andersdenkenden, gute Beispiele soldatischer Leistung aus unserem Gedächtnis zu streichen und aus gleichem Grunde nicht über sie zu sprechen, nur weil sie in einer Zeit vollbracht wurden, an die wir Deutschen uns zu Recht ungern erinnern. Traditionspflege ist Teil der soldatischen Erziehung und dieses Bataillon ist bereit, sich dieser Aufgabe zu stellen. Ich fordere Sie alle auf, in Ihrer Familiengeschichte nachzuforschen, ob Verwandte in unserem Traditions-Regiment gedient haben. Diese persönlichen Bindungen erleichtern den Zugang zu soldatischen Werten in der Vergangenheit."

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Im Anschluss an den Appell treffen sich die Gäste - unter ihnen Generalmajor a. D. Dr. Bäke - und Abordnungen der Kompanien im Flur der 1. Kompanie. Dort war in viel Kleinarbeit das gesamte Treppenhaus zur Traditionswand geworden. Der Chef der 1. Kompanie, Hauptmann v. Hopffgarten, erläutert Kameraden und Gästen die einzelnen Abschnitte. Den Abschluss des Tages bildet ein Empfang in den Räumen des Unteroffizierheimes.


Veränderungen im Offizierkorps 1976

Aus dem Bataillon werden versetzt:
01.01.  Hptm v. Wittenburg zu KTS II
           Maj Jung zu 7. PzGrenDiv

01.11.  OLt Rüther zu AK 10/7


Zum Bataillon werden versetzt:
01.07.  SA Dr. Orthkemper SanOffzArzt
           Lt Friemann ZgFhrOffz 4. Kp

01.10.  Hptm v. Hopffgarten KpChef 1. Kp


Veränderungen im Bataillon:
01.01.  Lt Ranke wird ZgFhrOffz 2. Kp

10.03.  OFhr Kottmann wird FmOffz


Entlassungen:
01.07.  OLt Schneider  


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